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Der Steinkauz - weise, aber gefährdete Gottheit der Nacht
18.01.2016
Das Projekt, das die Biologische Station in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld durchführt, befasst sich mit dem Steinkauz – der seinen wissenschaftlichen Namen (Athene noctua) der griechischen Göttin der Weisheit, Athene, und seiner hauptsächlich nächtlichen Lebensweise (noctua= nächtlich oder Nacht) zu verdanken hat.
Allgemeine Informationen

Allgemeine Informationen

 

Das Forschungsprojekt über den Steinkauz wird von der Biologin Anna-Katharina Müller organisiert und von der

Deutschen Bundesstiftung Umwelt

gefördert.

Es läuft in Zusammenarbeit mit der Arbeits-gruppe "Animal Behaviour" von Prof. Dr. Oliver Krüger des Lehrstuhls der Verhaltensforschung von der Universität Bielefeld.

Das Projekt startete im Frühjahr 2012 und findet im gesamten Kreis Gütersloh statt.

Durch dieses Forschungsprojekt wird in Zukunft nicht nur der Schutz des Steinkauzes gefördert. Auf Grundlage der Ergebnisse sollen artübergreifende Schutzkonzepte resultieren.

Der Steinkauz steht in weiten Teilen Europas seit jeher für zwei sehr verschiedene Begriffe: Weisheit und Tod. Vor allem in den alten römischen und griechischen Kulturkreisen gilt diese Eule als Weise und allwissend. In vielen anderen Kulturkreisen kennt man den Steinkauz als Unglücks- und Todesvogel. Soll diese kleine Eule in den mythologischen Darstellungen für den Tod der Leute verantwortlich gewesen sein, bedroht der Mensch den Steinkauz hier und heute faktisch. Da beide den gleichen Lebensraum nutzen, verliert die kleine Eule durch die starken strukturellen  Veränderungen der Umwelt in den letzten Jahrzehnten die Lebensgrundlage.

Der Steinkauz war bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein in Mitteleuropa verbreiteter und regional sogar häufiger Brutvogel. Inzwischen steht er u.a. in Deutschland auf der Roten Liste der bedrohten Brutvogelarten in der Kategorie „stark gefährdet“. In Nordrhein-Westfalen wird er als „gefährdet“ eingestuft, wobei das Land sogar einen mitteleuropäischen Verbreitungsschwerpunkt darstellt. Im Kreis Gütersloh und Bielefeld wurden im Jahr 2011 191 Brutpaare des Steinkauzes nachgewiesen. Der Verbreitungsschwerpunkt ist im Süden des Kreises zu finden (siehe Abbildung) ist.

Veranlassung des Forschungsprojektes

Greifvögel und Eulen werden im aktuellen Bundesnaturschutzgesetz als „streng geschützte Arten“ angesehen. Sie und andere streng geschützte Arten müssen in der Planungspraxis (z.B. im Rahmen des Baues von Straßen oder Gebäuden) sowie bei der Bewirtschaftung von Flächen  artenschutzrechtlich geprüft werden. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet die „Fortpflanzungs- oder Ruhestätten wildlebender besonders geschützter Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören bzw. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzuchts-,  Mauser-, und Überwinterungs-, und Wanderungszeiten erheblich zu stören. Eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch einen Eingriff der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert“.

Eine lokale Population ist als eine „Gruppe von Individuen einer Art“ definiert, „die eine Fortpflanzungs- oder Überdauerungsgemeinschaft bilden und einen zusammenhängenden Lebensraum gemeinsam bewohnen“. Theoretisch umfasst diese Definition alles Wesentliche. In der Praxis lässt sich diese jedoch nicht anwenden, da biologisch sinnvolle Methoden zur Abgrenzung lokaler Populationen bisher leider fehlen. Daher werden die Arten derzeit in zwei Ebenen eingeteilt, über die die Abgrenzung festgelegt wird. Die Ebene I grenzt Arten über kleinräume Landschaftseinheiten wie Naturschutz-, NATURA-2000-, oder vergleichbare Gebiete ab (z.B. Kammmolch oder Uferschwalbe), da sich die Individuen häufig auf wenige Stellen lokal konzentrieren. Die Ebene II umfasst für Arten mit großen Aktionsräumen flächenmäßig größere Bereiche. Die Angehörigen dieser Arten werden über Gemeinde- (z.B. Steinkauz) oder Kreisgrenzen (z.B. Mäusebussard und Habicht) definiert.

Im Kreis Gütersloh und in Bielefeld gibt es nach dieser Definition derzeit 13 verschiedene lokale Populationen des Steinkauzes, da  in jeder Gemeinde bzw. Stadt (ausgenommen Werther) mindestens ein Revier bekannt ist. Eine Bestimmung der lokalen Population anhand von solchen Grenzen ist aus biologischer Sicht jedoch nicht sinnvoll, da die wirkliche Populationsstruktur (z.B. die Verwandtschaft zwischen einzelnen Individuen) dadurch nicht widergespiegelt wird. Daher führt diese Definition zu einer Diskrepanz zwischen der Auslegung des Gesetzes und den „Bedürfnissen“ der realen lokalen Population. Das Problem ergibt sich also aus der rechtlichen Bedeutung des Begriffes und der fehlenden biologischen Eingrenzung. 


Das Ziel dieses Projekts ist es Methoden für die Naturschutzarbeit zu entwickeln, mit denen man lokale Populationen biologisch sinnvoll abgrenzen kann. Dazu ist es wichtig z.B. die Verwandtschaftsverhältnisse und die Wanderungsdistanzen der einzelnen Individuen zu kennen. Diese Informationen erhält man bspw., indem man die Jungvögel mit individuell nummerierten Ringen versieht und DNA-Proben von ihnen nimmt. 

Die Proben können u.a. Aufschluss über den Verwandtschaftsgrad der Steinkäuze innerhalb des Kreises Gütersloh geben. Ebenso ist es möglich die Wanderungsentfernungen zwischen einzelnen Gebieten sowie die Vitalität (starke/geringe Inzucht) der einzelnen Vorkommen zu ermitteln.

Mithilfe der individuellen Ringe kann man zudem bei eventuellen Wiederfunden der beringten Individuen die Überlebensrate und die Wanderungsentfernung von Jungvögeln ermitteln. 

Anhand der biologisch sinnvollen Eingrenzung lokaler Populationen wird es in Zukunft nicht nur einfacher auf juristischer Ebene zu argumentieren, durch die Ermittlung der tatsächlichen Populationsstrukturen ist ein gezielter Schutz von Teilpopulationen durch adäquate Artenschutzkonzepte möglich.


  

   

Bild links oben: Die Nisthilfe auf diesem Bild befindet sich in einem typischen Lebensraum des Steinkauzes – eine beweidete Obstwiese. Die Beringerin holt gerade die Steinkauz-Jungvögel aus dem Nistkasten.

Bild links unten: Ein etwa 22 Tage alter Steinkauz-Jungvogel. Die Beringung schadet den Vögeln nicht. Die Jungvögel werden danach weiter von den Altvögeln versorgt und aufgezogen.

Bild rechts oben: Steinkauz-Weibchen während des Beringungsvorgangs. Manchmal sitzen auch Altvögel in den Nisthilfen, sodass diese auch beringt werden können. In der Abbildung ist gut erkennbar wie klein auch ausgewachsene Steinkäuze sind.

Die Steinkäuze leben in der heutigen Zeit vor allem durch die ehrenamtliche Mithilfe von naturbegeisterten Menschen des Kreises Gütersloh. So gibt es im Kreis seit vielen Jahren einzelne Natur- und Vogelfreunde, die die Steinkauzreviere in ihrer Umgebung betreuen. Sie montieren Nisthilfen, kontrollieren, säubern und reparieren diese in Eigenarbeit und –leistung. Aber auch Hinweise auf neue Reviere, die von z.B. Hausbesitzern oder Naturinteressierten stammen, helfen beim gezielten Schutz der gefährdeten Vögel. Denn dadurch können in den betreffenden Gebieten neue Nisthilfen montiert werden, sodass den Steinkäuzen eine Möglichkeit für die Jungenaufzucht geboten wird.

Da die Unzugänglichkeit natürlicher Nistplätze die Beringung an diesen Orten unmöglich macht, werden nur Steinkauzjunge aus künstlichen Behausungen genommen werden. Daher sind künstliche Nisthilfen auch wichtig für dieses Projekt. Die Steinkäuze profitieren also nicht nur direkt durch neue Brutplätze, die Ergebnisse des Projekts verhelfen gleichzeitig zu einem gezielteren Schutz als er bisher möglich war.

Wer hat Informationen zu Steinkäuzen?

Haben Sie einen Steinkauz am Haus, wissen von einem Revier oder haben Sie evtl. einen beringten Vogel gefunden? Für die Umsetzung des Projektes sammelt die Biologische Station Daten zum Vorkommen von Steinkäuzen.

 

 

Bitte melden Sie sich bei der Biologischen Station.

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