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Naturschutzgebiet Rieselfelder Windel

Lage: südlich von Bielefeld-Senne

Größe: 102 ha mit „Kampeters Kolk“

Unterschutzstellung: Frühjahr 2014

Die Rieselfelder Windel wurden jahrzehntelang von der Textilveredelungsfirma Windel zur Abwasserverrieselung genutzt. Mit Aufgabe dieser Nutzungsform aufgrund eines neuen Klärverfahrens drohten 1995 insbesondere die Schilfflächen auszutrocknen.

In letzter Minute konnten 40 Hektar des Gebietes der Stiftung Rieselfelder Windel (http://www.rieselfelder-windel.de/) übertragen werden, die sich zum Ziel gesetzt hat, diesen einmaligen Lebensraum aus zweiter Hand zu retten.

Bei der Neugestaltung der Rieselfelder in den vergangenen Jahren wurden zusätzlich zu den beiden vorhandenen Teichen 19 neue Gewässer, 3 Aussichtstürme, eine barrierefreie Plattform und ein 5 km langer Rundweg angelegt.

Die Biologische Station Gütersloh / Bielefeld ist für die fachliche Betreuung sowie die Bewirtschaftung und Pflege des Gesamtgebietes zuständig.


Diese jahrelange Betreuung und die Vorarbeiten haben sich nun gelohnt. Die Rieselfelder Windel sind im Landschaftsplan Bielefeld-Senne seit Frühjahr 2014 nun offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Zudem konnte die geschützte Fläche im Laufe der Jahre mehr als verdoppelt werden. Die Stiftung Rieselfelder Windel bemühte sich stetig um den Kauf oder die Pacht von Nachbarflächen. Dazu zählen die Teiche bzw. Schilfflächen am Lohmannsweg, die Nordosterweiterung nördlich der Reiherbachfurt (tlw. auch von Privatpersonen überlassen) und die (inzwischen weitgehend von der Autobahn überbauten) Detereiteiche westlich der Postheide. Zusätzlich erwarb die Stiftung für die Natur Ravensberg im Jahr 2013 größere Grünlandbereiche um den Toppmannshof und schließlich konnte die Biostation auch die Bewirtschaftung der A-33-Ausgleichsflächen östlich der Buschkampstraße übernehmen. So besteht das Naturschutzgebiet Rieselfelder Windel nun aus über 100 ha Fläche, was ungefähr der maximalen früheren Größe der Windelschen Rieselfelder entspricht.


Zusätzlich zum eigentlichen Ziel der Stiftung, die für die Rieselfelder typischen Biotope wie Schilfbeete, Gewässer und Feuchtgrünland zu erhalten, soll das NSG auch für naturinteressierte Menschen erhalten bleiben. Zudem können Kinder und Jugendliche hier die Natur kennenlernen und erfahren. So wird seit bereits 15 Jahren ein jährlich aktualisiertes Programm angeboten, das von Schulklassen und Kindergartengruppen gebucht werden kann.

Die Rieselfelder Windel beherbergen viele interessante Biotoptypen mit reicher Flora und Fauna. So findet man hier Magerstandorte in der Norderweiterung, wo der nährstoffreiche Oberboden abgeschoben wurde. Auf dem Sandboden wachsen etliche Pflanzen, die an gedüngten Standorten von raschwüchsigen stickstoffliebenden Arten verdrängt würden. Diese Magerrasen sind aufgrund ihres Blütenreichtums auch für Insekten sehr interessant und der lückige Bewuchs bietet Raum für Bodennester z.B. der Einsiedlerbienen und –wespen sowie für die Jugendentwicklung von Heuschrecken. An bemerkenswerten Pflanzenarten entdeckt man hier teilweise in sehr großer Zahl den Großen Klappertopf, Hain-Augentrost, Wiesen-Margerite, Berg-Sandglöckchen, Tausendgüldenkraut und Zittergras. In den feuchteren Senken wachsen Breitblättriges Knabenkraut, Kuckucks-Lichtnelke und Heil-Ziest. Weitere auffällig blütenreiche Flächen bilden die Mähwiesen an der Niederheide und unterhalb des Südturms. Hier findet man die wunderschön anzusehenden Wiesen-Flockenblumen, Wilde Möhre, Wiesen-Witwenblumen, Ferkelkraut und Wiesenklee, welche insbesondere für viele Heuschrecken- und Schmetterlingsarten einen attraktiven Lebensraum bilden. Auch bieten die in den Rieselfeldern zahlreich vorkommenden Brennnessel- und Schilfbestände reichhaltige Insektennahrung und Raumstrukturen für deckungsliebende Sumpf- und Röhrichtvögel. Insgesamt findet man in den Rieselfeldern Windel mehr als 380 Gefäßpflanzenarten, davon 27 gefährdete Arten der Roten Liste NRW (2011) sowie weitere 13 Arten der Vorwarnliste.
 
 
 



Zusätzlich zu den zahlreichen Pflanzenarten, findet man in den nährstoffarmen Wiesen der Rieselfelder eine oft seltene und gefährdete Pilzflora aus offenlandbewohnenden Saprophyten, die abgestorbenes organisches Material zersetzen, aber auch aus Mykorrhiza-Pilzen, die als Symbiosepartner auf Baumwurzeln angewiesen sind, wie sie die zahlreich aufkeimenden Birken, Weiden und Erlen in den feuchten Randgebieten bieten. Ein besonderer Fund in den Rieselfeldern (nur zwei Fundorte in NRW) ist der Blaugrüne Nabeling, ein bundesweit sehr seltener Pionierpilz. Insgesamt wurden in den Rieselfeldern Windel bislang 160 Pilzarten nachgewiesen, davon elf der Roten Liste NRW.

Ebenfalls artenreich ist die Tierwelt der Rieselfelder. So beherbergt das NSG über 70 Brutvogel- und doppelt so viele Gastvogelarten, darunter die für Besucher so attraktiven Grau- und Silberreiher, Kormorane, Hauben- und Zwergtaucher, Kiebitz, Grau-, Nil- und Kanadagans, Wasserhühner und zahlreiche bunte Entenarten. Aber auch die versteckter lebenden Wasserrallen, Rohrsänger und Rohrammern oder der Feldschwirl verraten sich den Kundigeren. Attraktive Neuzugänge der letzten Jahre sind das Schwarzkehlchen und der Kuckuck. Auch nutzen Stock- und Reiherente, Teich- und Blässhuhn, Sumpf- und Teichrohrsänger, Dorngrasmücke und Feldsperling die Rieselfelder als Lebensraum. Die Zusammensetzung der rastenden Durchzügler hat sich in den letzten Jahren mit der zunehmenden Begrünung der Blänken verändert. Während in den ersten Jahren zunehmend Watvögel im Gebiet anzutreffen waren, dominieren heute eher die Wasservögel. Auch sind die Rieselfelder immer für einige Raritäten gut. Mit etwas Glück sieht man z.B. Fischadler, Gänsesäger, Kranich, Rohrdommel, Tüpfelsumpfhuhn, Bergpieper oder Raubwürger.










 






Vielfältig und artenreich ist auch der Bestand der Insekten der Rieselfelder Windel. So beherbergt das NSG 30 Libellenarten, davon acht der Roten Liste und Vorwarnliste, 16 Heuschreckenarten mit sechs der Roten Liste und Vorwarnliste sowie zahlreiche Schmetterlingsarten (29 Tagfalter, davon 6 der Roten Liste und Vorwarnliste, 89 Nachtfalter, davon 22 der Roten Liste und Vorwarnliste). Hierbei ist das größte Kleinod unter den Heuschrecken die farbenprächtige und stark gefährdete Sumpfschrecke. Die auffälligste Libelle der Rieselfelder ist die Feuerlibelle welche 2008 erstmals im NSG aufgetreten ist. Die ursprünglich mediterrane Art stellt eine attraktive Bereicherung unserer heimischen Libellenfauna dar. 



Dank der vielen neuen Gewässer sind auch die Amphibienbestände der Rieselfelder zahlreich und gut entwickelt. So kann man die Erdkröte, Gras- und Wasserfrösche, Teichmolche und den weniger häufigen Bergmolch entdecken. Ein besonderes Augenmerk gilt der Knoblauchkröte, welche nur noch sehr selten vertreten ist.








Interessierte Besucher der Rieselfelder Windel erhalten von den drei Beobachtungstürmen des Gebietes einen guten Überblick über die Gewässer, das Grünland und die Schilfflächen.


 

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