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Wiesenvogelkartierung 2013 - Der Kiebitz und der Austernfischer im Kreis Gütersloh und in der Stadt Bielefeld
15.12.2014

Im Jahr 2013 wurden im Rahmen der Wiesenvogelkartierung eine Bestandserfassung des Kiebitzes und des Austernfischers im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld durchgeführt. Zusammen mit der ersten kreisweiten Erfassung dieser Arten im Jahr 1991 liegen nun Ergebnisse von insgesamt 8 Kartierungen vor, die einen Zeitraum von 23 Jahren abdecken. Nur aus wenigen Regionen gibt es vergleichbare langfristige Daten zur Bestandsentwicklung dieser Wiesenvogelarten. Ohne die Hilfe ehrenamtlicher Kartierer wären diese Erfassungen nicht möglich gewesen.

Bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken!



Der Kiebitz

Im Rahmen der Wiesenvogel-Kartierung 2013 konnten im KreisGütersloh 742 und in der Stadt Bielefeld 34 Kiebitzpaare festgestellt werden. Im Vergleich mit der Erhebung aus dem Jahr 2010 ist somit einBestandsrückgang um 30% (GT) bzw. 27% (BI) zu verzeichnen.

Die größten Bestände konnten 2013 in Rietberg (134 Paare), Rheda-Wiedenbrück (127 P.) und Harsewinkel (126 P.) ermittelt werden. Knapp unter 80 Kiebitzpaare wurden in der Stadt Gütersloh (78), in Versmold (76) und in Herzebrock-Clarholz (76) gezählt. Starke Rückgänge um 60% verzeichnete die Stadt Verl, wo  im Jahr 2010 noch 89 (!) Paare des Kiebitzes brüteten. Aktuell wurden nur noch 35 Paare gezählt. In der gleichen Größenordnung nahmen auch die Bestände in Langenberg ab. Im Norden und Osten des Untersuchungsgebietes (Borgholzhausen, Werther und SchloßHolte-Stukenbrock) tritt der Kiebitz dagegen deutlich seltener auf.

In Bielefeld ist der Bestand im Stadtgebiet gegenüber 2010 deutlich zurückgegangen und auf aktuell 34 Paare gesunken. Im Vergleich mit dem Wert von 2004 (68 Brutpaare) ergibt sich damit ein Rückgang um 50 Prozent und gegenüber 2010 (47 Paare) um 27%!


Der Kiebitz

im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld

Jahr

Anzahl Reviere

1991

978

1995

770

1998

946

2001

1183

2004

1188

2007

1289

2010


2013

1107


776

Der flächenmäßig größte Teil des Untersuchungsgebietes liegt in der Westfälischen Bucht mit der naturräumlichen Haupteinheit Ostmünsterland. Nur Werther sowie Teilbereiche der Stadtgebiete von Borgholzhausen, Halle, Steinhagen und Bielefeld werden der Großlandschaft Weserbergland und hier den Haupteinheiten Bielefelder Osning und Ravensberger Hügelland zugerechnet.

Der Bielefelder Osning (Teutoburger Wald) stellt hinsichtlich der Verbreitung des Kiebitzes eine deutliche Grenze dar. Die Täler und Hanglagen des Teutoburger Waldes werden gar nicht und das nordöstlich sich anschließende Ravensberger Hügelland nur vereinzelt vom Kiebitz besiedelt.

Gab es 2010 noch einzelne positive Entwicklungen zu beschreiben wurden aktuell in allen Kommunen negative Trends festgestellt. Dabei zeigten 9 der 14 Städte und Gemeinden Abnahmen um mehr als 25% und nur 5 Gemeinden lagen unterhalb dieses Wertes.

Die Mehrzahl der Kiebitze brütet heute auf Äckern, wobei Wintergetreide- und Maisfelder bevorzugt werden. Bruten im Grünland gibt es fast nur noch in den Feuchtwiesenschutzgebieten. Nur dort sind ausreichend feuchte und strukturreiche Wiesenflächen erhalten geblieben, die den Ansprüchen desKiebitzes genügen.

Fast 90% der Kiebitzpaare brüten heute auf Ackerflächen. Bedingt durch die Arbeiten zur Bestellung der Äcker im Frühjahr gehen jedoch viele Gelege verloren. Ein Großteil der Kiebitzpaare brütet nur dann erneut, wenn sie ihr Erstgelege frühzeitig verlieren. Auf intensiv genutztem Grünland (Silagenutzung) haben Kiebitze gar keine Chance mehr ihre Eier auszubrüten, da die Zeitabstände zwischen den Mahdterminen nur wenige Wochen betragen. Zudem werden im Frühjahr die ersten Gelege häufig durch das Schleppen und Walzen der Wiesen zerstört.

Als Ursachen für den Rückgang des Kiebitzes können vor allem der geringe Bruterfolg aufgrund der intensiven Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen und der direkte Verlust von Brutplätzen durch Bebauung mit Gewerbegebieten, Straßen und Siedlungen genannt werden.



Der Austernfischer

Entlang der größeren Flüsse (Ems, Weser) ist der Austernfischer bereits in den 1950er Jahren von der Küstenregion ins Binnenland eingewandert. Dies ist auch heute noch zu erkennen, denn die Mehrzahl der Brutpaare des Kreises Gütersloh wurde im Umfeld eines größeren Fließgewässers (Ems, Hessel, Wapel) nachgewiesen (siehe Karte). In Westfalen siedelten sich die ersten Austernfischer 1942 an. Der erste sichere Brutnachweis für den Kreis Gütersloh geht auf das Jahr 1990 zurück.

Bei der Kartierung 2013 konnten 12 Paare im Kreis GT festgestellt werden. Der Brutbestand ist demnach weiterhin als stabil einzustufen. In der Stadt Bielefeld kommt der Austernfischer nicht als Brutvogelart vor.

Als Brutplatz wurde im Jahr 2013 für acht der zwölf Paare „Acker“ (Stoppeläcker, Maisäcker) angegeben. Für die restlichen vier Paare liegen keine Angaben vor, da sie am Ufer von Abgrabungsgewässern beobachtet wurden, wo sie aber nicht gebrütet haben.

Leider liegt nur eine Beobachtung zum Bruterfolg des Austernfischers vor. So konnte ein Paar mit einem flüggen Jungvogel in Rietberg auf dem Schützenplatz entdeckt werden. Vermutlich hat dieses Paar auf dem Flachdach einer angrenzenden Schule gebrütet, aber ein eindeutiger Brutplatz konnte nicht ermittelt werden. Insgesamt hat der Austernfischer mit denselben Problemen zu kämpfen wie der Kiebitz. Frühe Bruten auf Stoppeläckern werden durch die Bearbeitung der Äcker zerstört. Für einen zweiten Brutversuch werden meistens frisch eingesäte Maisäcker besiedelt, wo die Gelege leicht von Prädatoren gefunden werden oder mit dem Aufwachsen der Maispflanzen überwuchert und verlassen werden.


Jahr
Brutpaare
1991
     5
1995
     7
1998
    10
2001
     8
2004
     8
2007
     7
2010
     9
2013
   12