Logo Biologische Station Gütersloh/Bielefeld e.V.
 
 
 
 
 
Sie müssen JavaScript aktivieren, um diese Seite mit all ihren Features nutzen zu können.
Wiesenvogelkartierung 2015
11.01.2017

Brutbestände des Großen Brachvogels, der Uferschnepfe und der Bekassine im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld

Kreis Gütersloh

Der Große Brachvogel erreichte 2015 eine Populationsgröße von 59 Revierpaaren. Damit blieb der Bestand gegenüber der letzten Kartierung 2012 konstant. Ein „neues“ Brutgebiet des Großen Brachvogels ist der Flughafen Gütersloh, da in den Jahren 2014 und 2015 bei Begehungen auf dem zuvor nicht zugänglichen Gelände jeweils vier Brutpaare festgestellt werden konnten. Bereits 2014 kam es zu einer Neubesiedlung des Feuchtwiesenschutzgebietes Schellenwiese in Rietberg, die auch 2015 bestätigt werden konnte.

Der negative Trend bei der Uferschnepfe setzte sich weiter fort und im letzten Brutgebiet im Kreis Gütersloh in Rietberg wurden nur 6 Paare beobachtet. Seit dem Jahr 2011 ist die Bekassine im Kreis Gütersloh ausgestorben und auch bei der Wiesenvogelkartierung 2015 wurden keine Hinweise auf Brutansiedlungen gefunden.

Stadt Bielefeld

In den beiden bekannten Brutrevieren in Ummeln und im NSG Schunkenteich wurden keine brutverdächtigen Großen Brachvögel auf Bielefelder Seite festgestellt. Im Bereich Ummeln war ein nördlich gelegenes ehemaliges Revier besetzt – allerdings auf Gütersloher Seite. Die Bekassine ist seit 1995 in Bielefeld ausgestorben. Ansiedlungen der Uferschnepfe sind aus dem Stadtgebiet von Bielefeld nicht bekannt.

In der Tabelle sind die Bestände der drei Wiesenvogel-Arten in den Städten und Gemeinden im Jahr 2015 und die Gesamtsummen für 2009 und 2012 aufgeführt. Die höchsten Brutpaarzahlen weisen Versmold  und Halle im Nordkreis und Rietberg im Süden des Kreisgebietes auf. In diesen Regionen wurden auch die größten Feuchtwiesenschutzgebiete ausgewiesen.

      
Städte und Gemeinden                           
        Großer Brachvogel   Uferschnepfe 
Bekassine    
Bielefeld     -
-
-
Borgholzhausen
-
-
-
Gütersloh
8
-
-
Halle
8
-
-
Harsewinkel
1
-
-
Herzebrock-Clarholz
1
-
-
Langenberg
-
-
-
Rheda-Wiedenbrück
1
-
-
Rietberg
20
6
-
Schloß Holte-Stukenbrock
-
-
-
Steinhagen
3
-
-
Versmold
13
-
-
Verl
4
-
-
Werther
-
-
-
Summe Jahr 2015
59
6
0
Summe Jahr 2012
59
0
Summe Jahr 2009
70
12
1


Fazit
:

Die negativen Veränderungen in der Kulturlandschaft haben nun auch zu einer Abnahme des Großen Brachvogels geführt, der über viele Jahre zwar Bestandsschwankungen zeigte, aber doch ein Niveau von ca. 70 Brutpaaren halten konnte. Die Rückgänge betreffen überwiegend die Brachvogel-Reviere außerhalb der Naturschutzgebiete (siehe Grafik). Dort haben der Umbruch von Grünland in Ackerland und vor allem die Intensivierung der Grünlandnutzung eine Verschlechterung der Lebensraumqualität zur Folge. Als sehr standorttreue Vogelart kommt der Brachvogel in der Regel über viele Jahre in ein einmal besetztes Revier zurück. Daher lassen sich Brachvogel-Paare auch in Gebieten beobachten, die längst durch ausgedehnte Ackerflächen gekennzeichnet sind und die sich kaum von anderen intensiv genutzten Standorten unterscheiden. Dort gibt es starke Probleme mit dem Bruterfolg, so dass nicht genügend Jungvögel aufgezogen werden, um den Bestand zu erhalten. Mit dem Sterben eines Altvogels oder beider Partner bleiben diese Reviere dann dauerhaft verwaist, da sie von anderen Brachvögeln nicht mehr als Brutrevier akzeptiert werden. In derartigen Gebieten findet eine Verarmung der Fauna insgesamt statt und es verschwinden auch Feldvogelarten wie z.B. die Feldlerche, das Rebhuhn und der Kiebitz.



Die Intensivierung der Nutzung ist in der „Normallandschaft“ nicht zu übersehen. Selbst in den Schutzgebieten ist dieser Trend bemerkbar, aber hier nimmt wegen der extensiven Nutzung der Flächen in öffentlichem Besitz (Landes-, Kreis- und Gemeindeflächen) und der Vertragsnaturschutzflächen die Qualität des Lebensraumes nicht so stark ab. Daher ist zurzeit eine zunehmende Konzentration des Großen Brachvogels in einzelnen Feuchtwiesenschutzgebieten zu beobachten. So stieg in den letzten Jahren im Vogelschutzgebiet Rietberger Emsniederung die Zahl der Paare von 12 auf jetzt 16 bis 18 Paare an. Die Kapazität und Qualität der Gebiete reicht jedoch nicht aus, um den Rückgang der Gesamtpopulation auszugleichen. Ohne weitergehende Schutzmaßnahmen dürfte der Brachvogelbestand in den nächsten Jahren auf ca. 50 Paare zurückgehen.

Die „Rietberger Emsniederung“ ist das letzte Brutgebiet der Uferschnepfe im Kreis Gütersloh. Langfristig nimmt der Bestand ab und von ca. 20 Paaren in den Feuchtwiesenschutzgebieten zu Beginn der 1990er Jahre sind aktuell nur 6 Brutpaare übrig geblieben. Allerdings war der Bruterfolg der letzten Jahre nicht ausreichend, um den Bestand dauerhaft zu erhalten. Zudem zeigt die Uferschnepfe in ganz NRW eine negative Entwicklung, so dass auch mit Zuwanderungen aus anderen Brutgebieten kaum zu rechnen ist. Aufgrund der isolierten Lage des Gütersloher Brutbestandes ist es eher unwahrscheinlich, dass ein regelmäßiger Austausch mit anderen Populationen stattfindet. Das Hauptverbreitungsgebiet der Uferschnepfe in NRW sind der Niederrhein und die Kreise Borken und Steinfurt. Landesweit ging der Brutbestand von etwa 230 Paaren (2005) auf jetzt 170 Paare (2014) zurück. Für das Jahr 1975 wird noch ein Bestand von 730 Paaren angenommen!

Der Bestand in der Rietberger Emsniederung könnte kurz vor dem Erlöschen stehen. In der Saison 2015 kamen die Uferschnepfen auffallend spät in das Brutgebiet zurück (Erstbeobachtung 14.04.15) und Paare oder balzende Männchen konnten dann an wechselnden Stellen beobachtet werden, ohne das es konkrete Bruthinweise gab. Später verteilten sich die Paare auf vier Gebietsbereiche. Vier der sechs Paare führten Junge, verloren diese aber meist in kurzer Zeit. Am Ende konnte kein Bruterfolg nachgewiesen werden.

Das letzte Brutpaar der Bekassine wurde 2010 in der Rietberger Emsniederung nachgewiesen. Damals konnte im Teilgebiet „Dortenbach“ letztmalig ein Paar im traditionellen Brutgebiet beobachtet werden. Seitdem werden Bekassinen zwar regelmäßig auf dem Durchzug in vielen Feuchtwiesengebieten beobachtet, aber Hinweise auf Bruten konnten seitdem nicht mehr erbracht werden.

In den ehemaligen Brutgebieten sind geeignete Lebensräume durchaus vorhanden, aber die durchziehenden Bekassinen stammen aus anderen Regionen in Europa und diese Tiere sind auf ihre Herkunftsregion geprägt und Ansiedlungen in geeigneten Rastgebieten stellen eine absolute Ausnahme dar. Das Aussterben lokaler Populationen hat also weitreichende Konsequenzen. In NRW besiedeln die letzten Bekassinen die renaturierten Moorgebiete z.B. das Oppenweher Moor, das Große Torfmoor oder das Recker Moor (Jöbges et al. 2012). Für das Jahr 2014 werden nur noch 31 Brutpaare angegeben, was einem Rückgang seit 1975 um 90% entspricht (Quelle: LANUV NRW). Die Feuchtwiesengebiete weisen offenbar keine geeigneten Lebensraumbedingungen mehr auf.

.


 

 

Die Karten zeigen, dass der Große Brachvogel und die Uferschnepfe viele ehemals besiedelte Gebiete (weiße Kringel) verlassen haben.